Die besten Schreibtipps, Tipps zum Kreativitätsboost, die goldenen 5 Regeln zum Erwecken des inneren Schöpfers oder die Top 10 der Dinge, die man beachten muss, wenn man in die richtige Stimmung kommen möchte, um über ein Frauenschicksal aus der Renaissancezeit zu schreiben.
Das alles findet man, wenn man nur sucht, und das hat bestimmt alles seine Berechtigung. Was es nicht hat, ist Allgemeingültigkeit, auch wenn oft so getan wird.
Insofern möchte ich einige Kreativitäts-Techniken vorstellen, die bei mir sehr gut funktionieren und mir sehr geholfen haben, meine Stoffe zu finden.
Ob sie Euch helfen? Probiert’s aus und kommentiert!

Vollkommene Ruhe.

Mein erstes Erlebnis diesbezüglich war, als ich in der Sauna nichts zum Lesen dabeihatte. Nun kann man versuchen, sich nonstop drei Stunden in die Schwitzbude zu setzen, irgendwann landet man doch gänzlich ausgelaugt auf der Liege. Wenn es eine städtische, ergo schlecht besuchte, Sauna ist, dann herrscht dort vollkommene Ruhe und Frieden. Man könnte auch sagen gähnende Langeweile. Keine Möglichkeit, zu entfliehen, außer den teuren Eintritt zu vergeuden und nach Hause zu trotten. Oder den Geist auf Reisen zu schicken, weit, weit weg.
Ich empfehle das, wenn noch wenig Stoff zusammen ist, man vielleicht nur die Personen, aber weder Konflikt, noch Handlungsstrang zusammen hat.
Wirkliche Profis können das bestimmt auch zuhause, aber ich finde dort immer etwas, das es schafft, mich abzulenken. Und sei es der Abwasch.
Einsame Höhlen oder Alpenpanoramas eignen sich bestimmt auch für diese Technik.

Joggen

Wer einmal joggen geht, der weiß, dass das sauanstrengend ist. Der einzige Gedanke ist: “Scheiße, breche ich jetzt, oder erst in fünf Minuten zusammen?”
Beim zweiten Mal wird es besser.
Irgendwann kann man an andere Dinge denken, als an schmerzende Waden und Seitenstiche. Irgendwann hat man eine tolle Stunde Zeit, um die Gedanken schweifen zu lassen. Der Weg ist bekannt, die Glückshormone sind unterwegs und es gibt ohnehin nichts Besseres zu tun, als den Geist auf Reisen zu schicken.
Wenn das Grundgerüst fertig ist, laufe ich in Gedanken gerne die Story ab und schaue mir Details an, vielleicht Abkürzungen oder Panoramawege. Wie in den altbekannten Pfaden, die ich schwitzend durchschnaufe.

Keine Ruhe

Es lohnt sich auch, ganz bewusst die Welt zu durchwandern, besonders die Großstädte sind ein buntes Pflaster. Man steckt sich eigentlich gerne Ohrenstöpsel in die Ohren, liest eine Zeitung oder spielt Level 534 von Candy-Crush. Doch verzichtet einmal bewusst darauf.
Bescheuerte Kommentare und Unterhaltungen, kleine Nettigkeiten, asoziales Gerede oder einfach nur authentische Sprache; Das alles kann man nur dort finden, wo echte Menschen sind, nicht in Büchern oder Filmen.
Wie viel lebhafter wird euer Protagonist, wenn ihr ihm kleine Bemerkungen aus der U-Bahn oder aus dem Café anhängt? Wie viel glaubwürdiger eine Nebenfigur, wenn sie aussieht und redet wie der Typ vom Kiosk nebenan?
Wie viel echter der Antagonist, wenn Ihr seine wackelnde Kinnwarze aus echter Anschauung zu beschreiben wisst?
Vielleicht findet ihr sogar eine ganze Geschichte in einem Passanten, die Euch sonst entgangen wäre?
Ist dieses Pärchen nicht zu süß, um real zu sein?
Warum schaut diese Oma so hasserfüllt auf diesen Fahrkartenautomaten?
Mit wem redet der Mann mit dem Schlüpfer auf dem Kopf?

Wie sind Eure Erfahrungen? Ich freue mich über Kommentare!

 

Christoph Stark