Ich glaube das ist eine Frage, die fast jeden Autor beschäftigt und die vermutlich jeder anders beantwortet.
Früher dachte ich auch immer, dass es harte Realität ist und ich einfach eine Blockade habe, die mich vom Schreiben abhält.
2015 jedoch, habe ich einen Autor auf einer Convention getroffen und kam nicht umhin ihn zu fragen, wie er mit einer „Schreibblockade“ umgeht.
„There is no such thing as writer’s block!“ („So etwas wie eine Schreibblockade gibt es nicht!“), waren seine schockierten Worte. Schockiert darüber, dass ich ernsthaft davon ausgegangen bin, dass es so etwas wie eine innere Blockade tatsächlich gäbe.

(Meine Frage hat ihn wohl so sehr beschäftigt, dass er auch später am Abend bei dem “Star Dinner” des Events noch darüber gesprochen hat.)

Zuerst dachte ich auch, er würde mir irgendeinen Mist erzählen, doch die Erklärung, die er hinterher brachte, klang so plausibel, dass er mich überzeugte.
Er erklärte mir, dass das, was wir als Schreibblockade betiteln, schlicht und ergreifend die Angst davor sei, zu versagen.
Die Angst davor, dass das, was wir im Moment schreiben, vielleicht nicht so gut wird, wie das, was wir zuvor geschrieben haben.
Davor, unser momentanes Projekt zu beenden.

Und, um ehrlich zu sein, je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr gab ich ihm recht.
Ich habe Angst davor, dass das, was ich schreibe nicht gut genug ist und so entstehen vermutlich meine “Blockaden”.

Der Unterschied ist der, dass ich früher dachte, ich müsse warten, bis die “Blockade” von alleine wieder weggeht und mich in Ruhe lässt.
Quasi abwarten und Tee trinken.
Jeder, der das schon einmal mitgemacht hat, weiß sicher, wie unbefriedigend solche Phasen sind und wie schlecht man sich selbst fühlt, wenn man einfach nur abwartet.

Dank der Aussage des Autors versuche ich nun aber daran zu arbeiten, meine Angst zu überwinden und an mich selbst zu glauben.

Ich versuche, sobald ich die Angst spüre, ihr entgegen zu wirken, indem ich einfach weiter an meinem Plot oder meinem Manuskript arbeite. Ich versuche, mich nicht an Szenen aufzuhängen, bei denen ich nicht weiterkomme, sondern gehe über zur nächsten. Oder zu einer Szene, auf die ich gerade total Lust habe.
Das hilft oft, aus dem “Tief” oder der “Blockade” herauszukommen. Oder naja, es hilft einfach nicht darin zu versinken.
Wenn man sich etwas damit beschäftigt, findet man sicherlich noch andere Möglichkeiten, um eine “Schreibblockade” zu umgehen, denn im Endeffekt ist eine Schreibblockade vermutlich ein Stück von beidem.

Mythos und Realität.

Auf jeden Fall ist sie etwas, das wir bekämpfen und schlagen können, wenn wir es nur versuchen und vor allem, wenn wir daran glauben, dass wir es schaffen können.

Samu Oswald