Wieder mal sitze ich vor meinem Laptop und kann kaum tippen. Obwohl mein Schreibtisch zwei Meter breit ist, ist alles überfüllt. Mit Zetteln. Spannungsbögen, drei verschiedenen Plott-Planern, Charakterbögen, Anleitungen, wie man diese anlegt, ein Merkblatt, dass hilft sich doch jah an „show, don´t tell!“ zu halten und so weiter und so weiter.
Schreiben kann bei mir zu einem größeren Papierkrieg werden, als alle Steuerklärungen meines jungen Lebens zusammengenommen. Irgendwann sinkt dann mein Wordcount pro Stunde auf unter hundert Wörter und diese verdammten Zettel frustrieren mich nur noch. Immer wieder fällt mir auf, was ich in meiner Begeisterung für eine neue Idee, alles falsch gemacht habe. Wie sehr sich der Plot und die berüchtigte Spannungskurve verschoben haben und wie viel verdammte Arbeit mich meine dumme Kreativität wieder kostet.
Wieder wühlen durch Papierberge. Wieder Seiten aus Notizbüchern reißen, die man später aus dem Mülleimer fischen muss. Wieder alle Einträge aus dem Plott-Planer radieren.
Das kann so nicht weitergehen.

Schreibratgeber sind nützlich. Plotten hilft.

Das mag jetzt, angesichts meiner obigen Tirade, ein wenig seltsam klingen, aber: Ich mag Schreibratgeber. Und ich mag es auch zu plotten. Nur sollte sich das alles in Grenzen halten.
Plot-Planer benutze ich nicht selbst, wenn ich das tun würde, würde ich mich auf einen beschränken. Plotten kann ich selbst in meinem eigenen Notizbuch, in dem ich Raum für neue Ideen lasse und das ich überall hin mitschleppe. Ob dann die Spannungskurve zum dritten Akt hin einen um nullkommasiebendreifünf Grad zu stumpfen Winkel hat, ist mir egal. Das ist mein Buch und mein Stil.
Trotzdem scheue ich nicht davor zurück, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Wenn ich jetzt meine ersten holprigen Versuche auf der Tastatur betrachte, wird mir ziemlich schlecht. Heutzutage kann ich objektiv sagen, dass ich mich wenigstens verbessert habe. Klar ist noch Luft nach oben, aber ich werde besser. Jeden Roman, jede Geschichte, jeden Post, jedes Wort.
Und zu diesen Verbesserungen haben auch ausführlicheres Plotten und der ein oder andere Schreibratgeber beigetragen. Wer sich im Leben nur einen davon kaufen möchte, dem kann ich herzlichst DIESEN empfehlen. Hier kann man sich von Woche zu Woche durch die 50 wichtigsten Tipps zu Plott, Stil und Korrektur arbeiten.
Planen, Lernen und Plotten: ja. Aber ich bleibe ich und meine Bücher bleiben meine Bücher. Nicht umsonst dringen oft die Bücher als Meisterwerke an die Oberfläche des Ozeans an handwerklich gut geschriebenen Bücher, die eben auch mal mit altbekannten Konventionen und Regeln brechen.

Aber da gibt es diese Menschen, die plotten überhaupt nicht

Es gibt diese Meisterwerke von diesen…naja…Meistern ihres Handwerks, die angeblich ohne Plott, ohne große Gedanken, ohne Sorgen, einfach so in die Tastatur geflossen sind. Mir fällt da als Erstes immer Stephen King ein. Über Kings Stil und über den Anspruch seiner Bücher kann man sich streiten, über seinen Erfolg nicht. Ich persönlich liebe einige King Romane und hasse andere. Die „der dunkle Turm“ Reihe bleibt aber für mich nach wie vor ein Meisterwerk. Und gerade bei diesem – bei Kings wohl komplexesten und größten Epos – behauptet der Autor, die Geschichten seien einfach so aus ihm herausgeflossen.
King selbst sprich davon, dass es sich anfühle, als würde ein anderes Wesen diese Geschichte schreiben. Er setzt sich hin und das Wesen übernimmt. Es gibt einfach diese Menschen, die müssen nicht plotten und bringen trotzdem ein geniales Ergebnis auf den Tisch.

Langsam gibt es aber auch für mich diese…Tage, an denen muss ich nicht plotten

Manchmal setze ich mich einfach wie King an meinen Schreibtisch und es fließt. Ich schreibe und schreibe, ohne vorher geplant zu haben. Es passiert einfach. Das, was ich in diesen Momenten schreibe, fühlt sich einfach richtig an. Bei der späteren Korrektur bekomme ich vor solchen Passagen dann immer Zahnschmerzen. Das kann doch nicht gut sein. Der Schreibratgeber lag einige Meter von mir entfernt auf dem Nachtisch und ich habe mich nicht an meinen eigenen Plot gehalten.
Aber in der Regel sind diese Passagen, das Beste, was ich hervorbringe. Passen besser als alles, was ich geplant, zusammengeschrieben und hart erdacht habe. Vielleicht habe ich mir kurz dieses Wesen von King ausgeliehen…
Nur kommen diese Momente immer häufiger. Ich schreibe seit etwas weniger als zwei Jahren und immer öfter mache ich alles richtig, ohne zu wissen, was ich tue. Magisch. Oder auch nicht.

Die simple Lösung: gelernte Intuition

Aus später gelesenen Werken – lange nachdem ich verzweifelt bin und drüber nachgedacht habe alles hinzuschmeißen – weiß ich, dass Stephen King einen enormen Schatz an Fachwissen hat. Literatur, Plot, Spannungsbögen, alles. Dieser Mann lebt und atmet Schreiben.

 

Nur plottet er trotzdem nicht MEHR aktiv. (hier reine Spekulation von mir)

 

All das Wissen, die Technik des guten Geschichtenerzählens und das Handwerk des Schreibens sind diesem Mann in Fleisch und Blut übergegangen. Auch jetzt plottet er noch und auch ich plotte noch in „diesen Momenten“, nur übernimmt diese lästige Aufgabe an dieser Stelle das Unterbewusstsein. Das Unterbewusstsein, das, nach langem Studium der Theorie, alles verinnerlicht hat und uns hilft, intuitiv die richtigen Wörter auf das Papier zu bringen.
Wie in allen Dingen ist auch das wieder Übungssache. Wie ein Preisboxer, der auch nicht bei jedem Schlag darüber nachdenkt, wie er seine Faust einzudrehen hat. Diese Bewegung hat er im Training tausende Male ausgeführt, bis sie gesessen hat.
Mein Plan sieht also wie folgt aus: Lesen, Lesen, Lesen, Bilden, Weiterlernen, Plotten, Plotten Plotten, Schreiben und das ganze, bis ich mein Unterbewusstsein übernehmen lassen kann. 🙂

Autorenbert