… heute über den ersten großen Meilenstein.

 

Als Mutter erlebt man so einige Meilensteine. Die Geburt, das erste Mal Sitzen, das erste halb gebrabbelte Wort oder die ersten wackeligen Schritte.

Als schreibende Mama kommen da noch ein paar dazu. Nicht umsonst bezeichnet man sein Projekt so gerne als »Baby«.

Wenn erst einmal der Anfang gemacht ist und die erste Idee zum Manuskript steht, fühlt man sich wie an dem Tag, an dem man erfahren hat, dass man schwanger ist. Man ist euphorisch, kann sein Glück kaum fassen und möchte am liebsten sofort loslegen mit dem Mama-Sein. Man will nicht noch etliche Monate warten, bis man sein ganzes Glück endlich in den Händen halten kann. Doch sowohl im Mama-Leben, als auch im Autoren-Mama-Leben muss man sich in Geduld üben.

Die ersten Sätze im Manuskript sind wie die ersten Ultraschallbilder. Man sieht da plötzlich dieses kleine Würmchen, das in einem heranwächst wirklich vor sich und man begreift, dass es tatsächlich da ist. Dass man, wenn man nur lange genug alles dafür tut, dass es wächst, es tatsächlich irgendwann in den Händen halten kann.

Wenn man dann eine magische Grenze im Manuskript erreicht, fühlt es sich so an, wie wenn das Baby das erste Mal auf sich aufmerksam macht und tritt.
Bei mir war es die fünfzigtausend Wörter Grenze, weil sie für mich einfach zeigt, wie viel Arbeit ich bereits da rein gesteckt habe.
Wenn man diesen kleinen Tritt spürt, weiß man, dass es nicht mehr lange dauert. Dass man bald am Ziel angekommen ist.

Die Geburt ist das Beenden des Manuskriptes. Wenn man wehmütig ein »Ende« unter sein Projekt setzt und am liebsten vor Freude schreien, aber auch weinen möchte, weil es nun vorbei ist.
Die Achterbahnfahrt der Gefühle ist riesig und lang und hält einige Loopings bereit, auf die einen niemand vorbereiten kann, egal wie oft man bereits davon gehört hat.

Im Mai war es bei mir so weit. Drei Jahre und fünfzig Wochen nach der Geburt meines jüngsten Sohnes habe ich es erneut vollbracht.
Ich habe ein Baby zur Welt gebracht. Ein Buchbaby.
Um 2:55 Uhr hat es am 14. Mai 2017 das Licht der Welt erblickt, denn ich habe die Rohfassung meines Manuskriptes beendet. Dieses Gefühl war unbeschreiblich überwältigend und lähmend zugleich.
Denn dies ist mein Debütroman – das erste wirklich eigene Projekt, das ich zu Ende gebracht habe und mit dem ich noch einige Pläne habe.
Und trotzdem überkam mich diese unendliche Traurigkeit, weil es nun vorbei war.

Diese Traurigkeit verflog jedoch recht schnell wieder, als mir bewusst wurde, dass ich noch einige Monate an diesem Manuskript arbeiten würde – ganz so, wie bei einer echten Geburt. Da würde ich mein Baby auch noch einige Monate (gut, vielleicht auch Jahre ;)) versorgen.
Also gönnte ich mir zwei Tage Auszeit – so eine Geburt ist anstrengend, okay? – und setzte mich danach an die erste Überarbeitung.
Die erste Überarbeitung habe ich persönlich mit dem Windeln wechseln verglichen. Man macht sein Baby “sauber” und manchmal stinkt es so zum Himmel, dass man sich fragt, wieso das nicht jemand anderes für einen machen kann. Aber es ist nun mal mein Baby, also ziehe ich das durch.

Nachdem ich in fünf Tagen, die sehr schlaflos waren – wie immer mit einem Neugeborenen –, meine erste Überarbeitung durch hatte, habe ich mein Manuskript an die Alphaleser geschickt.
Ein Alphaleser ist wie der Erzieher im Kindergarten. (Hach, sie werden ja so schnell groß.)
Er bekommt als erster neben dir dein Baby so richtig mit allen Facetten zu sehen. Durchlebt tiefe Täler der Tränen und steile Höhenflüge durch die Wolken. Er versorgt es mit Pflastern, wenn es aufgeschürfte Knie hat und schenkt ihm Schokolade, wenn es lieb war.
Er formt das Baby, gibt wichtige Einflüsse und macht es zu dem, was es im späteren Verlauf ist – eine gute Geschichte.

Das erste Feedback der Alphaleser ist übrigens wie das erste Elterngespräch und man ist bei beidem unfassbar nervös. Denn schließlich möchte man immer, dass das eigene das beste ist.
Man bekommt gesagt, wie das Baby sich verhalten hat und wo Verbesserungsbedarf besteht. Aber auch, wie toll es sich bereits entwickelt hat und wie viel Potenzial in ihm steckt. Und hinterher ist man unglaublich dankbar für den Input und die Tipps, die einem gegeben wurden und das Lob beflügelt einen.

Wie genau meine Reise als Buch-Mama weitergeht, werde ich berichten, sobald ich mein Manuskript erneut überarbeitet und dann an die Betaleser geschickt habe.
Bis dahin steht jetzt im Juli ein neues CampNaNoWriMo an – ich werde im August berichten – und was soll ich sagen? Ich bin schon wieder schwanger.